Archiv für den Monat: November 2014

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Wir lupenreinen Demokraten.

Ich habe heute mal einfach nicht den Artikel gelesen. Ich habe runtergescrollt, zu den Kommentaren. Egal, was in dem Artikel steht, weiß eh keine Sau ob das wahr ist. Aber unten, die Kommentare, und es war renommierte deutschsprachige Presse. Eben jene welche mit der man sich morgens in der Straßenbahn brüstet, wenn man sich zur Intelligenz dazu sortieren möchte. „Ich“ sagt man dann „ habe im/in der (Feuilleton am Besten noch) gelesen und überhaupt“. Und eben auf deren Seiten habe ich mir die Kommentare der Leser angesehen. Ich lese, dass Putin ein erbärmlicher Wicht ist und dass man den Russen sowieso nicht trauen kann. Jemand erwidert, dass es doch die Amerikaner wären, die uns jahrelang verascht und abgehört haben. Lieber von den Amerikanern belogen als von den Russen erobert, schreibt der Nächste. In schneller Folge Auszüge, so oder so ähnlich:

Am Ende führt Europa Krieg mit Russland, weil wir von den Amerikanern angelogen wurden, wie im Irak. – Was hat das jetzt mit dem Irak zu tun – Solange Sie in jedem Satz drei Rechtschreibfehler machen sollte Sie sich lieber in diesem Forum gar nicht äußern – Diese blinden Putin-Befürworter kotzen mich an, ich habe Freunde in Moskau ich weiß, wie schlecht es den Menschen dort geht – das liegt aber nicht an Putin, sondern an den unsinnigen Sanktionen – unter den Sanktionen leiden wir doch viel mehr – einen Preis für Demokratie muss man bezahlen und wenn die Leute hungern müssen um zu sehen wohin sie Putin führt – Hauptsache Sie sitzen mit Ihrem fetten Arsch vor Ihrem Flachbildfernseher – Ihnen fehlt es an Niveau, waren Sie schon bei mir, oder woher wissen Sie, dass ich einen fetten Arsch habe und vor dem Fernseher sitze? – Waren Sie schon bei Putin, dem erbärmlichen Wicht? – Können wir uns darauf einigen, dass die Russen scheiße sind und die Amerikaner auch? – Wir haben die Sowjetunion schon einmal in die Knie gezwungen – Die Sowjetunion gibt es gar nicht mehr, ich frage mich wie sie das Internet entdeckt haben – Ihr Name lässt schon vermuten, dass Sie nicht objektiv sind – Prorussische Propaganda gehört bei uns verboten.

Man mag mir vorwerfen, dass es sich hier nicht um repräsentative Ergebnisse handelt und dass es normalerweise in Foren ganz anders zugeht, aber für heute nehme ich mal folgende Erkenntnisse mit:

  1. Wer die Rechtschreibung nicht beherrscht soll gefälligst die Fresse halten. Erstaunlich, dass wir unsere Demokratie zwanghaft überall einführen wollen, auch in Ländern mit 80% Analphabeten.
  2. Den russischen Präsidenten und damit so ein klein wenig auch seine Anhänger (auch wenn man sich nicht vorstellen mag, dass es die gibt) kann man durchaus beleidigen, nur wenn es um den eigenen Arsch geht, da wird man sauer.
  3. Ein Freund vor Ort reicht und man kennt sich aus.
  4. Hunger ist ein Opfer, dass wir durchaus für Demokratie verlangen können.
  5. Die Meinung des anderen ist immer Propaganda.
  6. Es lässt sich bereits am Namen erkennen, wie eine Meinung einzuordnen ist.

Ich lese mal weiter die Kommentare. Ist einfach schön zu sehen, wie tief das demokratische Verständnis, Toleranz und die Bereitschaft umzudenken in unserer Gesellschaft verwurzelt sind. Wenn nur mal die ganze Welt unser Niveau erreichen würde…

Friends of Maaloula in Maaloula (November 1985 – August 1987)

In der Mitte der Esel, auf dem Esel meine älteste und mittlere Schwester (kaum zu sehen, hinter dem Eselsohr). Der Zweite von rechts bin ich. Der Rest sind fröhliche Kinder aus Maaloula, heute erwachsene Männer, die mit Ihren Spenden ihre Familie ernähren und hoffen, ihr zerstörtes Dorf bald wieder aufbauen zu können! Wir freuen uns über jeden Euro, vielen Dank für die Unterstützung!

hier geht es zur Online Spende: https://www.betterplace.org/de/projects/16780

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Der Wille des Volkes

In Thüringen haben die Menschen gewählt. Jetzt bekommen sie ihren Willen, einen linken Ministerpräsidenten. Unser Bundespräsident fragt sich, wie man so was wollen können kann. Seit 25 Jahren ist die Mauer jetzt weg. Man merkt, dass dadurch einige langsam die Orientierung verlieren, was man wollen darf und was nicht. In Schottland wollte man die Leute fragen, was sie wollen. Plötzlich musste man feststellen, dass sie es vielleicht wollen könnten. Mit großem Aufwand, nennen wir es Wahlkampf, hat man es geschafft, dass sie es ganz knapp doch nicht mehr wollten und weiterhin zum Vereinigten Königreich gehören. Was man mit Schottland nicht zulassen wollte, will man im Zusammenhang mit der Ostukraine gar nicht erst in Erwägung ziehen: Dass tatsächlich Menschen zu Russland gehören wollen könnten. Nein, nicht mal Russen können zu Russland gehören wollen, das will man sich hier bei uns nicht vorstellen. Wir wissen doch, dass die Menschen auf der ganzen Welt es so wollen, wie wir es haben. Warum sonst wollen die alle nach Europa, zu uns, obwohl wir sie eigentlich gar nicht wollen. In Ägypten wollten sie auch wählen und wir wollten auch, dass sie wählen. Nur wollten wir nicht, dass sie die Muslimbrüder wählen. Man muss schon das Richtige wollen, sonst geht es schief, wie in Thüringen. In den USA wollen sie ihren Friedensnobelpreisträger nicht mehr so richtig. Wahlforscher sagen, das liegt auch daran, dass viele gar nicht mobilisiert werden konnten, ihren Willen auszudrücken. Oder sie hatten gar keinen Willen. Das ist aber nicht gut, man muss immer etwas wollen. Oder wenigstens nicht wollen, so wie ganz sicher niemand, auch in Russland nicht, Putin will, weil man Putin gar nicht wollen kann. Die IS will ein Kalifat, die Kurden wollen einen eigenen Staat, die Türken wollen nicht, dass es einen Kurdenstaat gibt, die Menschen von Maaloula wollen wieder in ihr Dorf zurück und dort friedlich und sicher weiterleben, die Amerikaner wollen gemäßigte Rebellen in Syrien unterstützen, Assad will an der Macht bleiben und wir wollen überall auf der Welt Demokratie nach unseren Vorstellungen. Gar nicht so einfach, wenn jeder was will. Das mit dem Krieg haben wir jedenfalls nicht gewollt. Und zugeben, dass man Scheiße gebaut hat, das will man auch nicht. Und die Goldbären wollen auch nicht mehr von Gottschalk gefressen werden.