Archiv der Kategorie: mittelstaender

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Aus meiner kleinen Welt!

Es prügeln sich der kleine und der große Bruder. Das kann man natürlich nicht dulden, da muss man dazwischen gehen. Die eigenen Werte verbieten es, das mit ein paar gepflegten Ohrfeigen zu regeln. Also was tun, damit sie sich friedlich einigen? Also meine Mutter hat immer gesagt, „wenn nicht gleich Ruhe ist, dann geht jeder in sein Zimmer, es gibt kein Eis mehr und das Sandmännchen ist auch gestrichen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass meine Mutter jemals zu meiner großen Schwester gesagt hat: „Wenn ihr euch nicht einigt, dann gebe ich deinem kleinen Bruder einen Baseballschläger, Dir wird das Taschengeld gestrichen und er darf trotzdem Sandmännchen schauen.“ Ich gestehe, ich hätte unter diesen Voraussetzungen jegliche Friedensverhandlungen scheitern lassen. Und ganz klar hätte meine Schwester trotzdem nicht einfach um des lieben Friedens willen das Handtuch geworfen. Aus ihrer Sicht auch verständlich. Nicht das hier ein falsches Bild entsteht, meine Mutter hat das immer ganz wunderbar geregelt und ich verstehe mich blendend mit meiner großen Schwester. Und als wir dann mal über die normalen Streitereien und Provokationen der Kinderjahre gesprochen haben, kam die Frage auf, wann wir aufgehört haben uns zu prügeln. Die Antwort meiner Schwester war: Von dem Moment an, als Du stärker warst als ich. Ein, bei allem Respekt, langer und grausamer Weg für den kleinen Bruder Ukraine. Man mag diesen Vergleich wieder einmal zynisch finden, ich aber wundere mich darüber, dass man als Weltmacht und als EU vor einer Verhandlung, die Frieden zum Ziel hat, kundtut, dass man im Falle ihres Scheiterns die eine Partei fertigmachen möchte und die andere Unterstützen. Das öffnet die falschen Türen.

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Mutti Merkel und der pubertierende Putin!

Jetzt nicht gleich schimpfen, ich weiß, dass Thema ist ernst und blutig. Aber manchmal hilft der Blick in das Alltägliche: Mutti Merkel hat Prinz Putin vor dem Fernseher erwischt. „Du elender Lümmel“ sagt sie zu ihm, „Du hast hier nichts zu suchen. Ab in dein Zimmer, oder ich ziehe dir die Ohren lang. Taschengeld ist gestrichen und kein Obst mehr aus der EU.“ Der kleine Putin ist aber schon ganz schön kräftig, mag eh nicht so gerne Obst und sagt: „Mutti Merkel, ich schau so lang Fernsehen wie ich will.“ Jetzt beginnt das eigentliche Problem. Normalerweise müsste Mutti Merkel Prinz Putin jetzt die Ohren lang ziehen, aber so richtig geht das nicht. Sie fuchtelt ein bisschen mit der geöffneten Ohrfeigen-Hand vor seinem Gesicht herum, „wenn du nicht gleich“, schreit sie ihn an. Aber wer wäre Prinz Putin, wenn er nicht einfach leicht den Kopf nach links neigen würde, damit er den Fernseher besser sehen kann. Was soll er denn seinen Freunden erzählen? Dass er dem Druck von Mutti nicht standhalten konnte und deswegen die Sendung nicht gesehen hat. „Du Lutscher“, würden seine Kumpels sagen, „du bist schon so weich wie die Gurke Gorbi!“. Und Mutti Merkel? Wie steht sie vor den Nachbarn da? „Du lässt Dir von dem Lümmel viel zu sehr auf der Nase rum tanzen“, werden sie sagen. Der einen ein oder andere findet sogar, „so eine richtige Ohrfeige kann ab und zu nicht schaden“. Mutti Merkel will aber nicht hauen. Jetzt steht sie da, hat ausgeholt zur Ohrfeige und Prinz Putin setzt noch einen drauf und schaltet um auf einen Pornosender und denkt „die macht eh nix“. Hm. Und worum geht es jetzt? Darum ob Prinz Putin noch 10 oder 15 Minuten schauen darf? Oder ob Mutti Merkel zu ihren Nachbarn sagen kann: „Dem hab ich mal seine Grenzen gezeigt“ und Putin trotzdem auf dem Pausenhof prahlen kann. „Ich hab sogar noch einen Porno geschaut.“

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Black Putin und der weiße Westen.

Nein, das will ich gar nicht. Diese Diskussion über Gut und Böse. Dieser Strich ist gezogen, mitten durch Europa, nur etwas weiter im Osten als früher. Ein zähes, blutiges Ringen um ein paar Kilometer gibt es noch in der Ukraine. Ein spätes, unangenehmes Aufbäumen so lange nach dem Zerfall des Warschauer Paktes. Hat so schön geklappt mit dem Einverleiben, bis dahin. Der wirtschaftliche Wohlstand war nun mal im Westen zu finden. Ist so. Freie Entscheidung der Staaten. Und jetzt zeigen uns die Griechen, wie dreckig es einem innerhalb der EU gehen kann. Doof, aber das Kuscheln mit den Russen treiben wir denen schon wieder aus. Nein, ich bin über was anderes gestolpert. Ein Wahrnehmungsproblem. Ich kämpfe mich so durch die Presse, Sanktionen gegen Russland, Aufbau einer 30.000 Mann starken NATO-Eingreiftruppe mit deutscher Führungsrolle, Diskussionen über Waffenlieferungen an die Ukraine und so gut wie keine Talkshow, in der nicht irgendeiner meint sich selbst profilieren zu können, indem er einen der mächtigsten Männer der Welt als einen kleinwüchsigen komplexbeladenen Spinner bezeichnet, dem man zeigen muss, wo es lang geht. Spricht übrigens gar nicht so schlecht deutsch, der Putin. „Wart nur Du Arschloch“, wird er sich denken. Nun jedenfalls, zurück zum Wahrnehmungsproblem. Da lese ich, dass Russland sich dieses Jahr schon zwei Mal erlaubt hat, der Bundeswehr die Überflugsrechte zu verweigern. Krass, denke ich, hätte ich nicht gedacht. Wir bauen hier eine Truppe auf, die in der Lage sein soll innerhalb von 48 Stunden dem Russen da auf die Mütze zu hauen, wo er es mal wieder verdient hat und die lassen unsere Bundeswehrflieger noch über ihrem Land rumdüsen. Überflugsgenehmigung nach Afghanistan über Russland und die dort lebenden Russen drüber. Na, nett, denke ich. Allerdings beginnt der Artikel im Spiegel, fettgedruckt, wie folgt: „Moskau setzt im Streit mit dem Westen auf Sticheleien: Gleich zweimal untersagte Moskau Flugzeugen der Bundeswehr den Überflug. Die Soldaten mussten stattdessen in dänischen Jets nach Afghanistan reisen.“ Mit anderen Worten, die Nato ballert mit Erlaubnis der Russen ständig über Russland, zwei mal hat man das Deutschen Militärmaschinen nicht erlaubt, klares Fazit und klare Botschaft: Der Russe setzt auf Sticheleien! Frechheit, unserer Armee zu verbieten über Russland zu fliegen! Wo sind die Gänsehaut-Historiker? Deutsche Soldaten über Russland, was ist daran selbstverständlich? Zugegeben, unter ferner liefen steht da noch ganz weit unten im Artikel: „Im vergangenen Jahr verbot Polen dem russischen Verteidigungsminister den Überflug wegen des Konflikts in der Ostukraine.“ Haben wir wirklich geglaubt, die Russen ertragen ihr Leben in Demut und die Griechen in Armut, ohne sich irgendwann zu wehren. Sind wir wahrnehmungsgestört? Man wird sich doch noch mal wundern dürfen …

Wer es lesen will:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/russland-blockierte-fluege-der-bundeswehr-nach-afghanistan-a-1016965.html

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Was nur war am Ende demokratisch?

„Weißt Du“ schreibt mir ein alter Freund von der Krim, „ich habe das mit der Demokratie einfach falsch verstanden. Ich dachte es geht immer um den Willen des Volkes, das in dem jeweiligem Land wohnt und nicht um den Willen des deutschen oder amerikanischen Volkes.“ Ich habe ihm zurückgeschrieben, dass es mich zutiefst bestürzt, dass genau das in vielen Teilen der Welt so wahrgenommen wird, aber, und jetzt kommt das aber: Ich bin mir gar nicht so sicher, ob dieser zweifelhafte Konfrontationskurs wirklich der Wille des deutschen Volkes ist. Ob wirklich alle ihre Hand heben würden, wenn es darum geht, nach dem kompletten nahen Osten jetzt auch noch Russland zu destabilisieren. Seite an Seite gegen für das Völkerrecht, gemeinsam mit unseren amerikanischen Freunden, die ja praktisch Spezialisten sind, für Völkerrecht. Ich weiß nicht, ob die Menschen in Europa die Hand heben würden, wenn man ihnen sagt, wir destabilisieren Russland, bis sie die Krim zurückgeben, bis die Menschen alle keine Arbeit haben und nicht mehr wissen, wie sie ihre Schulden bezahlen sollen. Bis ihre Wut und ihr Hass auf uns riesig ist und sie uns am liebsten an die Gurgel gehen würden und sie sich entscheiden müssen, ob sie das tun oder ob sie in Demut danieder sinken. Das wird vielleicht noch dauern, bis dahin ist der kleine Bush Bruder längst Präsident der Vereinigten Staaten und hat der Ukraine für mehrere Milliarden Waffen geliefert, PEGIDA wird mit 50 000 Menschen durch die Straßen ziehen und rufen „Wir sind das Volk“ und die Amerikaner werden mit Kuba ein Handelsabkommen unterschreiben, nachdem sie ja zufällig genau jetzt erkennen, dass 30 Jahre Sanktionspolitik nichts gebracht haben. „Was“ fragt mein alter Freund von der Krim, „war am Ende noch demokratisch? Als wir abgestimmt haben, habt ihr gesagt, das gilt nicht, das war nicht demokratisch, weil die Russen in Russland uns Russen auf der Krim so lange mit russischer Propaganda manipuliert haben, bis nicht nur wir Russen auf der Krim geglaubt haben das wir lieber Russen in Russland wären, sondern auch die Tataren und Ukrainer völlig verwirrt waren. Gut, wir wurden belogen. Jetzt macht ihr uns die Währung kaputt, nehmt uns, die wir ja Opfer sind in Euren Augen, die reichen deutschen Rentner weg, die jetzt mit ihren Kreuzfahrtschiffen nicht mehr in unsere Häfen kommen dürfen. Ihr macht uns arm und traurig und wütend und unzufrieden. Die Russen haben uns vielleicht beschissen, damit wir zu Russland wollen, ihr bringt uns in ein beschissene Lage, damit wir zurück zu Ukraine wollen. Was bitte hat das mit dem Willen des Volkes zu tun. Wer glaubt ihr zu sein?“

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Notfalls isolieren wir alle außer uns!

Zunächst mal hat die Nato Putin gewarnt. „Putin“ hat die Nato gesagt, „du kleines hochgerüstetes atomwaffenbesitzendes Scheusal Du gedemütigtes, pass bloß auf Du“. Sonst, nix besonderes. Die EU hebt den moralischen Zeigefinger, die deutsche Presse schimpft über Korruption in Russland, der FC Bayern freut sich auf die Rückkehr von Uli Hoeneß (Vorbestrafte dürfen nach der Satzungsänderung jetzt auch Mitglied beim FC Bayern werden), die Amtszeit des ersten schwarzen Präsidenten neigt sich begleitet von Rassenunruhen dem Ende, die Russen fahren mit Kriegsschiffen im Ärmelkanal spazieren und in den demokratischen USA bringt sich der dritte Bush als Präsidentschaftskandidat in Position. Ach ja, und Benzin ist günstig. Jetzt droht dann die Nato schon dem ersten Bündnispartner. „Du Türkei Du“ sagt die Nato, „wir setzen die Russen gerade unter Druck, dass sie vor Angst mit den Zähnen klappern, und bei Dir bauen sie ein Atomkraftwerk, wollen Dir noch mehr Gas liefern und Du gibst Ihnen die Gurken und Äpfel, die wir ihnen unter großen Entbehrungen vorenthalten.“ Erdogan nickt, zuckt mit den Schultern, Deutschland verkauft ein paar Panzer an Saudi-Arabien, die Nasa hofft bereits im Jahr 2017 wieder ohne russische Hilfe in den Weltraum fliegen zu können und die EU klopft sich auf die Schulter, weil Putin international isoliert ist. Und da ist ja noch so eine lästige Demokratiebewegung in Hongkong, die gerade weltpolitisch ungünstig kommt. Zum Glück ist das niederprügeln der Demonstranten in China eine tolerierbare Angelegenheit. Also wenn der Westen hier auch noch sagen müsste, „Du China Du böses Du, wenn ihr nicht aufhört, dann isolieren wir Euch international, verkaufen Euch keine Autos mehr und bereiten das Deutsch-Niederländische Korps in Münster als schnelle Eingreiftruppe auf einen Krieg mit Euch vor!“ Ja dann wären ja schon Russland, China und die Türkei international völlig isoliert. Wo soll das hinführen? Am Ende sind die USA und die EU von lauter begriffsstutzigen, völlig isolierten Staaten umgeben die nicht einlenken wollen, obwohl das gut für sie wäre. Zum Glück wird das nicht passieren. Die WM wird in Katar stattfinden, Großbritannien wird aus der EU austreten, die Maut auf Deutschen Autobahnen wird nur für Ausländer kommen und mit etwas Glück werden wir es auch nicht schaffen, unsere russischen Nachbarn solange zu nerven, bis sie über uns herfallen. Sie dürfen das als wissender, demokratisch erzogener EU-Bürger und weitgereister Kenner aller Kulturen weltweit auch gerne moralisch anders bewerten, aber sich mit einem Löwen den Käfig zu teilen und zu glauben man wird ihm Herr, wenn man ihn nicht mehr füttert, ist schon ausgesprochen dämlich!

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Wir lupenreinen Demokraten.

Ich habe heute mal einfach nicht den Artikel gelesen. Ich habe runtergescrollt, zu den Kommentaren. Egal, was in dem Artikel steht, weiß eh keine Sau ob das wahr ist. Aber unten, die Kommentare, und es war renommierte deutschsprachige Presse. Eben jene welche mit der man sich morgens in der Straßenbahn brüstet, wenn man sich zur Intelligenz dazu sortieren möchte. „Ich“ sagt man dann „ habe im/in der (Feuilleton am Besten noch) gelesen und überhaupt“. Und eben auf deren Seiten habe ich mir die Kommentare der Leser angesehen. Ich lese, dass Putin ein erbärmlicher Wicht ist und dass man den Russen sowieso nicht trauen kann. Jemand erwidert, dass es doch die Amerikaner wären, die uns jahrelang verascht und abgehört haben. Lieber von den Amerikanern belogen als von den Russen erobert, schreibt der Nächste. In schneller Folge Auszüge, so oder so ähnlich:

Am Ende führt Europa Krieg mit Russland, weil wir von den Amerikanern angelogen wurden, wie im Irak. – Was hat das jetzt mit dem Irak zu tun – Solange Sie in jedem Satz drei Rechtschreibfehler machen sollte Sie sich lieber in diesem Forum gar nicht äußern – Diese blinden Putin-Befürworter kotzen mich an, ich habe Freunde in Moskau ich weiß, wie schlecht es den Menschen dort geht – das liegt aber nicht an Putin, sondern an den unsinnigen Sanktionen – unter den Sanktionen leiden wir doch viel mehr – einen Preis für Demokratie muss man bezahlen und wenn die Leute hungern müssen um zu sehen wohin sie Putin führt – Hauptsache Sie sitzen mit Ihrem fetten Arsch vor Ihrem Flachbildfernseher – Ihnen fehlt es an Niveau, waren Sie schon bei mir, oder woher wissen Sie, dass ich einen fetten Arsch habe und vor dem Fernseher sitze? – Waren Sie schon bei Putin, dem erbärmlichen Wicht? – Können wir uns darauf einigen, dass die Russen scheiße sind und die Amerikaner auch? – Wir haben die Sowjetunion schon einmal in die Knie gezwungen – Die Sowjetunion gibt es gar nicht mehr, ich frage mich wie sie das Internet entdeckt haben – Ihr Name lässt schon vermuten, dass Sie nicht objektiv sind – Prorussische Propaganda gehört bei uns verboten.

Man mag mir vorwerfen, dass es sich hier nicht um repräsentative Ergebnisse handelt und dass es normalerweise in Foren ganz anders zugeht, aber für heute nehme ich mal folgende Erkenntnisse mit:

  1. Wer die Rechtschreibung nicht beherrscht soll gefälligst die Fresse halten. Erstaunlich, dass wir unsere Demokratie zwanghaft überall einführen wollen, auch in Ländern mit 80% Analphabeten.
  2. Den russischen Präsidenten und damit so ein klein wenig auch seine Anhänger (auch wenn man sich nicht vorstellen mag, dass es die gibt) kann man durchaus beleidigen, nur wenn es um den eigenen Arsch geht, da wird man sauer.
  3. Ein Freund vor Ort reicht und man kennt sich aus.
  4. Hunger ist ein Opfer, dass wir durchaus für Demokratie verlangen können.
  5. Die Meinung des anderen ist immer Propaganda.
  6. Es lässt sich bereits am Namen erkennen, wie eine Meinung einzuordnen ist.

Ich lese mal weiter die Kommentare. Ist einfach schön zu sehen, wie tief das demokratische Verständnis, Toleranz und die Bereitschaft umzudenken in unserer Gesellschaft verwurzelt sind. Wenn nur mal die ganze Welt unser Niveau erreichen würde…

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Der Wille des Volkes

In Thüringen haben die Menschen gewählt. Jetzt bekommen sie ihren Willen, einen linken Ministerpräsidenten. Unser Bundespräsident fragt sich, wie man so was wollen können kann. Seit 25 Jahren ist die Mauer jetzt weg. Man merkt, dass dadurch einige langsam die Orientierung verlieren, was man wollen darf und was nicht. In Schottland wollte man die Leute fragen, was sie wollen. Plötzlich musste man feststellen, dass sie es vielleicht wollen könnten. Mit großem Aufwand, nennen wir es Wahlkampf, hat man es geschafft, dass sie es ganz knapp doch nicht mehr wollten und weiterhin zum Vereinigten Königreich gehören. Was man mit Schottland nicht zulassen wollte, will man im Zusammenhang mit der Ostukraine gar nicht erst in Erwägung ziehen: Dass tatsächlich Menschen zu Russland gehören wollen könnten. Nein, nicht mal Russen können zu Russland gehören wollen, das will man sich hier bei uns nicht vorstellen. Wir wissen doch, dass die Menschen auf der ganzen Welt es so wollen, wie wir es haben. Warum sonst wollen die alle nach Europa, zu uns, obwohl wir sie eigentlich gar nicht wollen. In Ägypten wollten sie auch wählen und wir wollten auch, dass sie wählen. Nur wollten wir nicht, dass sie die Muslimbrüder wählen. Man muss schon das Richtige wollen, sonst geht es schief, wie in Thüringen. In den USA wollen sie ihren Friedensnobelpreisträger nicht mehr so richtig. Wahlforscher sagen, das liegt auch daran, dass viele gar nicht mobilisiert werden konnten, ihren Willen auszudrücken. Oder sie hatten gar keinen Willen. Das ist aber nicht gut, man muss immer etwas wollen. Oder wenigstens nicht wollen, so wie ganz sicher niemand, auch in Russland nicht, Putin will, weil man Putin gar nicht wollen kann. Die IS will ein Kalifat, die Kurden wollen einen eigenen Staat, die Türken wollen nicht, dass es einen Kurdenstaat gibt, die Menschen von Maaloula wollen wieder in ihr Dorf zurück und dort friedlich und sicher weiterleben, die Amerikaner wollen gemäßigte Rebellen in Syrien unterstützen, Assad will an der Macht bleiben und wir wollen überall auf der Welt Demokratie nach unseren Vorstellungen. Gar nicht so einfach, wenn jeder was will. Das mit dem Krieg haben wir jedenfalls nicht gewollt. Und zugeben, dass man Scheiße gebaut hat, das will man auch nicht. Und die Goldbären wollen auch nicht mehr von Gottschalk gefressen werden.

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Fukowienochmal heißt das Kaff?

Na dieses Dingsbums hat´s gemacht und keiner hat es in den Griff gekriegt und gestrahlt haben sie alle und die Fische haben geleuchtet im Meer und wir sind zum zweiten Mal aus der gleichen Technologie ausgestiegen und Windrädchen haben wir aufgestellt und Dächer mit Solarzellen gepflastert und die Bauern haben aus Scheiße Geld gemacht in ihren Biogasanlagen! Na ja vielleicht ist es ja eh Wurst, weil der Salafist in unserer Mitte ist und von Osten der Russe kommt und von Afrika der Ebola, aber komisch ist´s schon. Wir schalten ab, legen still und steigen aus und die Briten bauen in Bridgewate  Hinkley Point C, ein neues Atomkraftwerk. Und die EU sagt ja, das ist halt so, das können die ruhig subventionieren und das Wüstenstromprojekt Desertec geht vor die Hunde und überhaupt ist es jetzt auch mal wieder gut mit der Energiewende. Ja sauber liebe EU, aber wir können ja nicht alles zusammen regeln. Hauptsache wir fressen alle gleich große Tomaten und müssen uns bei Reisen innerhalb der EU nicht daran gewöhnen, dass die Salatgurken anders gekrümmt sind als daheim!

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Der Kniefall von Kobane

In Kobane wird man nun damit beginnen kurdische Köpfe von kurdischen Hälsen zu trennen. Mit den heutigen technischen Möglichkeiten könnte man das sehr eindrücklich in der Tagesschau darstellen. Ich stelle mir das als Super-Slowmotion vor. Man sieht dann wie die Schneide des Schwertes ganz langsam durch den Hals geht, der Körper fällt Millimeter für Millimeter nach vorne, schlägt im Wüstenboden ein und Sand und Staub steigen auf. Der Kopf springt noch ein zweimal auf und verteilt in der Drehbewegung Blut im gelben Sand. Ein IS Kämpfer kommt ins Bild, er schießt den Kopf mit der Spitze seines Soldatenstiefels auf einen riesigen Haufen mit anderen Köpfen. Der Henker sagt „Guter Schuss“ und wischt sein Schwert am Körper des kopflosen Kurden ab. Dann kommt der amerikanische Präsident ins Bild. Er sagt: Wir helfen ja und haben mehrfach bewiesen, dass wir aus 1000 Kilometer Entfernung einen Golfball treffen können, aber die IS – Truppen sind so flink, so beweglich. Der Türkische Präsident sagt: Unsere Panzer stehen schon seit Tagen schräg gegenüber und wir würden auch helfen, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Die Deutsche Außenministerin sagt: Wir sind historisch bedingt sowieso völlig verklemmt, wenn es darum geht militärisch zu helfen, aber wir werden Euch Waffen liefern, sobald wir irgendwo ein funktionierendes Flugzeug gefunden haben. Zeitgleich wird in der Fußgängerzone von Recklinghausen, in einer Vorstadt von London und an der französischen Atlantikküste ein IS-Kämpfer rekrutiert. Putin hält eine Rede vor dem russischen Volk, „Seht was dabei heraus kommt“ sagt er, „wenn man sich von der westlichen Welt eine freiheitlich demokratische Grundordnung eintrichtern lässt. Ich habe von Anfang an davor gewarnt Assad stürzen zu wollen. Eines verspreche ich Euch, ich werde mein Volk beschützen, auch außerhalb Russlands.“ Man vereinbart ein Gespräch auf höchster Ebene in Ankara, noch bevor der Termin steht, hat der letzte Kurde von Kobane ein letztes mal mit seinen Lippen seine Heimaterde berührt. Erst in 20 Jahren wird Kobane wieder in den Medien sein. Ein Delegation des Europaparlaments wird einen Kranz niederlegen, auf die Knie fallen und um Vergebung bitten. Es wir eine Rede geben, mit heißerer Stimme: „Es ist die Aufgabe der Weltgemeinschaft dafür zu sorgen, dass solche Gräueltaten nie wieder geschehen können.“ Ganz bestimmt gibt es dafür einen Friedensnobelpreis, wenn nicht zufällig im gleich Jahr in Saudi-Arabien ein Frau zur Präsidentin gewählt wird.

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Wird die EU zum Arschloch?

Ich hab´s  auch nur gelesen: Mehrere Tausend russische Soldaten haben an der Seite der Separatisten gekämpft, sie seien aber angeblich ohne Weisung aus Moskau gekommen. Freiwillig, statt ihren Urlaub am Strand zu verbringen. Ich sage das so in die Runde, ernte Hohn, man zeigt mir den Vogel und sagt „Ja, ja, freiwillig, genau, wer ist denn so blöd. Und überhaupt, wie können die einfach so da hin kommen ohne das Moskau, geht ja gar nicht!“ Ja, sage ich Frau Merkel meint, der IS habe 20.000 Kämpfer, davon 2000 aus Europa und 400 aus Deutschland. Sind die alle so blöd, oder wurden die von uns geschickt? Und warum können die einfach so über die Grenzen von unserem Nato Partner Türkei nach Syrien marschieren? Und während man zaudert und zögert, ob der IS böse genug ist, um seine Gegner im Kampf zu unterstützen, denkt man am Rande des Gesprächs zwischen Poroschenko und Putin als Deeskalations-Maßnahme laut über neue Nato-Stützpunkte in Osteuropa nach. Da kann man mir 1000 mal sagen, dass das unser gutes Recht ist, aber wir verrennen und in ein völlig absurdes Szenario. Wenn die Russen unter dem Deckmantel des Schutzes der russischen Bevölkerung in Lettland einmarschieren wollen, dann tun die das. Und die Nato tut das dann auch, zum Schutz ihrer Bündnispartner. Und dann haben wir einen Weltkrieg um Lettland und der IS freut sich und rollt dann das Feld von hinten auf. Was wir dagegen tun können? Na wie wäre es, wenn wir dafür sorgen, dass Russland gar nicht nach Lettland einmarschieren will? Ja, Putin ist eine schwierige Figur, aber wenn wir ihm das wirklich zutrauen, dann frage ich mich ob es so eine tolle Idee ist, ihn immer mehr unter Druck zu setzen. Wir sollten der wachsenden Abneigung gegenüber der USA und der EU nicht mit Arroganz und Hochmut Nahrung geben, sondern ihr mit dem Zeigen von Respekt, Dialogbereitschaft und auch mal ein wenig Demut begegnen. Mal zugeben, dass wir uns geirrt haben, uns entschuldigen. Wir unterstützen völlig ahnungslos irgendwelche Revolutionen, Kriege brechen aus, die Leute paddeln mit dem Schlauchboot übers Mittelmeer und wenn sie nicht ersoffen sind stecken wir sie in völlig überfüllte Unterkünfte, lassen sie nicht arbeiten und auf ein Frisbee-Turnier kann man sie auch nicht mitnehmen, weil sie ihren Regierungsbezirk nicht verlassen dürfen. Die Grundidee der EU mag ja gut sein, aber für Außenstehende wird sie immer mehr zum Arschloch und ich möchte nicht in einem Arschloch wohnen, egal wie dick und fett der dazugehörige Hintern ist.