Archiv der Kategorie: Standard

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Aus meiner kleinen Welt!

Es prügeln sich der kleine und der große Bruder. Das kann man natürlich nicht dulden, da muss man dazwischen gehen. Die eigenen Werte verbieten es, das mit ein paar gepflegten Ohrfeigen zu regeln. Also was tun, damit sie sich friedlich einigen? Also meine Mutter hat immer gesagt, „wenn nicht gleich Ruhe ist, dann geht jeder in sein Zimmer, es gibt kein Eis mehr und das Sandmännchen ist auch gestrichen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass meine Mutter jemals zu meiner großen Schwester gesagt hat: „Wenn ihr euch nicht einigt, dann gebe ich deinem kleinen Bruder einen Baseballschläger, Dir wird das Taschengeld gestrichen und er darf trotzdem Sandmännchen schauen.“ Ich gestehe, ich hätte unter diesen Voraussetzungen jegliche Friedensverhandlungen scheitern lassen. Und ganz klar hätte meine Schwester trotzdem nicht einfach um des lieben Friedens willen das Handtuch geworfen. Aus ihrer Sicht auch verständlich. Nicht das hier ein falsches Bild entsteht, meine Mutter hat das immer ganz wunderbar geregelt und ich verstehe mich blendend mit meiner großen Schwester. Und als wir dann mal über die normalen Streitereien und Provokationen der Kinderjahre gesprochen haben, kam die Frage auf, wann wir aufgehört haben uns zu prügeln. Die Antwort meiner Schwester war: Von dem Moment an, als Du stärker warst als ich. Ein, bei allem Respekt, langer und grausamer Weg für den kleinen Bruder Ukraine. Man mag diesen Vergleich wieder einmal zynisch finden, ich aber wundere mich darüber, dass man als Weltmacht und als EU vor einer Verhandlung, die Frieden zum Ziel hat, kundtut, dass man im Falle ihres Scheiterns die eine Partei fertigmachen möchte und die andere Unterstützen. Das öffnet die falschen Türen.

Willy-Brandt-Kniefall

Der Kniefall von Kobane

In Kobane wird man nun damit beginnen kurdische Köpfe von kurdischen Hälsen zu trennen. Mit den heutigen technischen Möglichkeiten könnte man das sehr eindrücklich in der Tagesschau darstellen. Ich stelle mir das als Super-Slowmotion vor. Man sieht dann wie die Schneide des Schwertes ganz langsam durch den Hals geht, der Körper fällt Millimeter für Millimeter nach vorne, schlägt im Wüstenboden ein und Sand und Staub steigen auf. Der Kopf springt noch ein zweimal auf und verteilt in der Drehbewegung Blut im gelben Sand. Ein IS Kämpfer kommt ins Bild, er schießt den Kopf mit der Spitze seines Soldatenstiefels auf einen riesigen Haufen mit anderen Köpfen. Der Henker sagt „Guter Schuss“ und wischt sein Schwert am Körper des kopflosen Kurden ab. Dann kommt der amerikanische Präsident ins Bild. Er sagt: Wir helfen ja und haben mehrfach bewiesen, dass wir aus 1000 Kilometer Entfernung einen Golfball treffen können, aber die IS – Truppen sind so flink, so beweglich. Der Türkische Präsident sagt: Unsere Panzer stehen schon seit Tagen schräg gegenüber und wir würden auch helfen, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Die Deutsche Außenministerin sagt: Wir sind historisch bedingt sowieso völlig verklemmt, wenn es darum geht militärisch zu helfen, aber wir werden Euch Waffen liefern, sobald wir irgendwo ein funktionierendes Flugzeug gefunden haben. Zeitgleich wird in der Fußgängerzone von Recklinghausen, in einer Vorstadt von London und an der französischen Atlantikküste ein IS-Kämpfer rekrutiert. Putin hält eine Rede vor dem russischen Volk, „Seht was dabei heraus kommt“ sagt er, „wenn man sich von der westlichen Welt eine freiheitlich demokratische Grundordnung eintrichtern lässt. Ich habe von Anfang an davor gewarnt Assad stürzen zu wollen. Eines verspreche ich Euch, ich werde mein Volk beschützen, auch außerhalb Russlands.“ Man vereinbart ein Gespräch auf höchster Ebene in Ankara, noch bevor der Termin steht, hat der letzte Kurde von Kobane ein letztes mal mit seinen Lippen seine Heimaterde berührt. Erst in 20 Jahren wird Kobane wieder in den Medien sein. Ein Delegation des Europaparlaments wird einen Kranz niederlegen, auf die Knie fallen und um Vergebung bitten. Es wir eine Rede geben, mit heißerer Stimme: „Es ist die Aufgabe der Weltgemeinschaft dafür zu sorgen, dass solche Gräueltaten nie wieder geschehen können.“ Ganz bestimmt gibt es dafür einen Friedensnobelpreis, wenn nicht zufällig im gleich Jahr in Saudi-Arabien ein Frau zur Präsidentin gewählt wird.

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Wird die EU zum Arschloch?

Ich hab´s  auch nur gelesen: Mehrere Tausend russische Soldaten haben an der Seite der Separatisten gekämpft, sie seien aber angeblich ohne Weisung aus Moskau gekommen. Freiwillig, statt ihren Urlaub am Strand zu verbringen. Ich sage das so in die Runde, ernte Hohn, man zeigt mir den Vogel und sagt „Ja, ja, freiwillig, genau, wer ist denn so blöd. Und überhaupt, wie können die einfach so da hin kommen ohne das Moskau, geht ja gar nicht!“ Ja, sage ich Frau Merkel meint, der IS habe 20.000 Kämpfer, davon 2000 aus Europa und 400 aus Deutschland. Sind die alle so blöd, oder wurden die von uns geschickt? Und warum können die einfach so über die Grenzen von unserem Nato Partner Türkei nach Syrien marschieren? Und während man zaudert und zögert, ob der IS böse genug ist, um seine Gegner im Kampf zu unterstützen, denkt man am Rande des Gesprächs zwischen Poroschenko und Putin als Deeskalations-Maßnahme laut über neue Nato-Stützpunkte in Osteuropa nach. Da kann man mir 1000 mal sagen, dass das unser gutes Recht ist, aber wir verrennen und in ein völlig absurdes Szenario. Wenn die Russen unter dem Deckmantel des Schutzes der russischen Bevölkerung in Lettland einmarschieren wollen, dann tun die das. Und die Nato tut das dann auch, zum Schutz ihrer Bündnispartner. Und dann haben wir einen Weltkrieg um Lettland und der IS freut sich und rollt dann das Feld von hinten auf. Was wir dagegen tun können? Na wie wäre es, wenn wir dafür sorgen, dass Russland gar nicht nach Lettland einmarschieren will? Ja, Putin ist eine schwierige Figur, aber wenn wir ihm das wirklich zutrauen, dann frage ich mich ob es so eine tolle Idee ist, ihn immer mehr unter Druck zu setzen. Wir sollten der wachsenden Abneigung gegenüber der USA und der EU nicht mit Arroganz und Hochmut Nahrung geben, sondern ihr mit dem Zeigen von Respekt, Dialogbereitschaft und auch mal ein wenig Demut begegnen. Mal zugeben, dass wir uns geirrt haben, uns entschuldigen. Wir unterstützen völlig ahnungslos irgendwelche Revolutionen, Kriege brechen aus, die Leute paddeln mit dem Schlauchboot übers Mittelmeer und wenn sie nicht ersoffen sind stecken wir sie in völlig überfüllte Unterkünfte, lassen sie nicht arbeiten und auf ein Frisbee-Turnier kann man sie auch nicht mitnehmen, weil sie ihren Regierungsbezirk nicht verlassen dürfen. Die Grundidee der EU mag ja gut sein, aber für Außenstehende wird sie immer mehr zum Arschloch und ich möchte nicht in einem Arschloch wohnen, egal wie dick und fett der dazugehörige Hintern ist.

Die Bundesregierung beginnt nun mit der Faktensammlung, um zu prüfen, welche Waffen die kurdische Armee denn im Kampf gegen die Terrorgruppe IS so benötigt. Nur keine Hektik, es eilt nicht. Ist aber doch gut, dass wir ein klares und verständliches Konzept haben, wem wir Waffen liefern und wem nicht und welche Waffen. Die Kurden baden nun das Chaos im Nahen Osten aus und was machen wir, als führende Rüstungs-Exportnation die nun wirklich fast jedem die Panzer hinterhergeworfen hat? Heucheln erstmal wieder unsere defensiv friedliche moralisch westliche Grundeinstellung und wollen nur liefern, was man zur Verteidigung braucht, also Schutzwesten und Helme. Was sollen die Kurden mit den Helmen machen, nach den Terroristen werfen? Jetzt merkt unsere Regierung, dass das vielleicht zu wenig sein könnte und macht sich genüsslich an die Zusammenstellung einer Faktenliste, was man den Kurden den liefern könnte, falls es überhaupt im Irak noch Kurden gibt, bis die Liste fertig ist. Wie wäre es denn mit Steinschleudern und Pfeil und Bogen? – man wird sich ja wohl noch wundern dürfen…

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Nein liebe Freunde in Israel, wer gegen diesen Krieg ist, ist nicht automatisch gegen Israel. Im Gegenteil. Die meisten wollen, dass ihr friedlich leben könnt, sie glauben nur der Weg, den ihr gehen wollt ist falsch. Natürlich wissen sie auch nicht, welcher der richtige ist, aber ganz vielleicht wissen sie: Er ist lang und kompliziert. Er verlangt, dass man erträgt, erduldet, spricht, über seinen Schatten springt, Gefühle kontrolliert. Wie bequem und klug sich das sagt, wie leicht es sich schimpft, wie gut und richtig es sich anfühlt für den Frieden zu demonstrieren, so weit weg. Ja auf Euch fliegen die Raketen, ihr habt das Heulen der Sirenen, ihr sitzt in den Bussen, in den Cafés, liegt an den Stränden die beschossen werden. Klar seid ihr wütend und ängstlich und beruft Euch auf Euer Recht auf Selbstverteidigung. Und auf dieses Recht werden sich Eure Kinder berufen und Eure Enkelkinder. Ihr werdet vielleicht eine Zeit Ruhe haben, weil die Tunnel gesprengt sind, weil das Kraftwerk brennt, weil die Logistik zerstört ist. Und dann? Dann sitzen Eure Feinde auf ihrem elenden Streifen Land, auf Ruinen, ohne Strom, fast jeder beerdigt einen Verwandten oder Freund. Sie schauen auf hohe Mauern aus Beton oder hinaus aufs Meer, perspektivlos. Es werden sich Neue finden, die mit ihren Händen Tunnel graben, die durch diese Tunnel zu Euch kommen und Angst verbreiten und den Tod bringen. Ihr werdet Vergeltung üben und bei uns im Fernsehen werden sie weinende Mütter zeigen, tote Körper eingehüllt in Flaggen die von wütenden Männern durch zerstörte Straßen getragen werden, Kinder in überfüllten Krankenhäusern, fehlende Gliedmaßen. Es werden wieder Menschen für den Frieden demonstrieren und Unbelehrbare werden darunter sein und judenfeindliche Parolen rufen und man wird vom aufflammenden Antisemitismus in Europa und speziell in Deutschland reden und ja, das müssen wir ernst nehmen und dagegen vorgehen. Und dennoch werden wir es nie ganz verhindern können, dass einer den ersten Stein wirft. Aber den zweiten und dritten und vierten, fünften – die müssen doch nicht mehr geworfen werden. Die Unbelehrbaren dürfen doch nicht entscheiden, ob es Krieg oder Frieden geben wird. Bei uns nicht und bei Euch nicht.

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Wladimir gib die Krim zurück, sonst nehmen wir Dir den Fußball weg!

Sensationell meine Herren, dieser Lösungsansatz. Nehmt dem lupenreinen Rotzlöffel sein Spielzeug weg, das ärgert ihn mehr und schadet der EU nicht so sehr wie das Beenden der Waffenlieferungen! Das Urteil lautet moralisch mitschuldig am Tod der 298 Insassen von MH17, da ist die logische Konsequenz Fußballverbot! Lieber Bürger, jetzt nicht aufregen, aufwachen. Mein tiefes Mitgefühl gilt natürlich den Opfern und Angehörigen von MH17. Mit nichts ist diese Tat zu entschuldigen. Es nervt mich hingegen einmal mehr das „ich mach mich wichtig Geplärre“ einiger Politiker auf den Rücken dieser Tragödie. Es nervt mich wie unverfroren und leichtfertig hier von Moral gesprochen wird. Der Wanderarbeiter in Katar stirbt unauffälliger, mal fällt hier und mal fällt da einer vom Baugerüst oder es bleibt nach 12 Stunden in der prallen Sonne kaum wahrgenommen von der Öffentlichkeit das ein oder andere Herz stehen. Wie in Deutschland, den Niederlanden und auf der ganzen Welt fallen auch in Nepal und Indien die Angehörigen weinend auf die Knie, trauern um inzwischen über 1000 Tote, die sich im reichsten Land der Welt ein paar Kröten verdienen wollten und nie mehr zurückkehren werden. Und wissen Sie was Katar mit der Kohle macht, die es an der Sicherheit und Versorgung der Wanderarbeiter im eigenen Land eingespart hat? Islamistische Gotteskrieger in Syrien und im Irak finanzieren. Wo ist der Unterscheid, wo ist der Maßstab, wo ist die Moral? Wo ist zumindest mal ein Bekenntnis zur moralischen Mitschuld an dem menschenverachtenden Umgang mit den Christen im Irak. Wenn eine WM in Katar gespielt wird und in Russland nicht, machen wir uns lächerlich meine Herren. Aber was rege ich mich auf, nichts wird passieren, gar nichts. Wir wollen schließlich alle Fußball schauen. Aber man wird sich ja wohl noch wundern dürfen.

Wenn unsinnige Gesetzgebung Schmerzen verursachen würde, wäre Cannabis schon legalisiert!

Bildschirmfoto 2014-07-22 um 18.46.01Schmerzpatient zu sein ist ja nun wirklich schlimm genug. Die Vorstellung, der Pharmaindustrie ein Schweinegeld in den Rachen zu werfen für etwas, was im eigenen Wintergarten prächtig wächst und gedeiht, ist geradezu grotesk. Der Konsum von selbstangebautem Cannabis ist also in den eigenen vier Wänden untersagt. Der Schmerzpatient zahlt mehrere Tausend Euro im Monat für Medikamente und um das bezahlen zu können, zieht er in eine kleinere Wohnung. Jetzt wohnt er da in seinem Einzimmer-Apartment, am Rande des finanziellen Ruins, jetzt urteilt das Gericht, dass er jetzt dürfen würde, wäre seine Wohnung nicht zu klein. Die hochgefährliche Droge braucht nämlich im Gegensatz zu einer harmlosen Schnapsbar einen abgetrennten Hochsicherheitsbereich, um nicht Verderben und Unglück über die deutsche Bevölkerung zu bringen. Richtig so, sage ich, Holland ist der beste Beweis, oder was kann es sonst für einen Grund geben, dass die noch nie Fußball-Weltmeister geworden sind? Ist aber ja eh nicht von langer Dauer, der Gesetzgeber wird schon bald die gesetzlichen Krankenkassen in die Pflicht nehmen. Immerhin ist es etwas besser geworden, aber eben nur in geringen Mengen!

Rebellen Schnelltest

SchnelltestII

500 Millionen Dollar möchte Herr Obama in ausgesuchte Rebellen in Syrien investieren. Das nenne ich nachhaltige und strategisch brillante Politik zur Erlangung eines dauerhaften Friedens im Nahen Osten! Nachdem man nun erkannt hat, dass der böse Diktator gegen die gleichen Bösen kämpft, gegen die man selber kämpft, muss man zwischen den Bösen und den Bösen einfach „ausgesuchten Rebellen“ bis an die Zähne bewaffnen, damit die im Zweifel schön auf beide Gruppen ballern können. Ja, es stürmt gerade eine wildgewordene Herde von gut bewaffneten und gut ausgebildeten Islamisten auf Bagdad, deren Ziel die Wiederrichtung des islamischen Kalifats auf dem Gebiet des Irak und Großsyriens ist. Aber man darf deswegen nicht diesen unangenehm naheliegenden Schluss ziehen, dass es sich bei den vielen Anhängern von Assad vielleicht doch auch um friedliche und normal intelligente Menschen handeln könnte, die das zwanghafte Bedürfnis des Westens überall gutmütig-demokratische Oppositionen zu unterstützen nicht damit bezahlen möchten, dass man ihnen den Kopf von den Schultern trennt. Aber zum Glück ist die Lösung mit der Unterstützung der „gemäßigten Rebellen“ schon gefunden. Weil bestimmt auch die deutsche Wirtschaft von den Waffenlieferungen profitiert und wir natürlich nicht möchten, dass unsere Waffen in falsche Hände geraten (also in die von ungezogenen Rebellen, versteckte Taliban, getarnte Isis-Kämpfer oder den Berliner Rapper Deos Dogg), sollten wir beim Aussuchen der „ausgesuchten Rebellen“ helfen. Dazu braucht es ein geschicktes Testverfahren zur Erlangung des Status „Ausgesuchter Rebell“. Ich habe mit einem ersten Entwurf begonnen, der gerne durch weitere Vorschläge ergänzt werden darf. Um sicher zu gehen, dass die Geheimdienste unsere Bemühungen wahrnehmen und würdigen, hier noch ein paar Keywords: Taliban, Assad, Zündschnur, Aufstellung deutsche Nationalmannschaft, Putin, Beckenbauer, Freihandelsabkommen, Kürbis.