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Der Wille des Volkes

In Thüringen haben die Menschen gewählt. Jetzt bekommen sie ihren Willen, einen linken Ministerpräsidenten. Unser Bundespräsident fragt sich, wie man so was wollen können kann. Seit 25 Jahren ist die Mauer jetzt weg. Man merkt, dass dadurch einige langsam die Orientierung verlieren, was man wollen darf und was nicht. In Schottland wollte man die Leute fragen, was sie wollen. Plötzlich musste man feststellen, dass sie es vielleicht wollen könnten. Mit großem Aufwand, nennen wir es Wahlkampf, hat man es geschafft, dass sie es ganz knapp doch nicht mehr wollten und weiterhin zum Vereinigten Königreich gehören. Was man mit Schottland nicht zulassen wollte, will man im Zusammenhang mit der Ostukraine gar nicht erst in Erwägung ziehen: Dass tatsächlich Menschen zu Russland gehören wollen könnten. Nein, nicht mal Russen können zu Russland gehören wollen, das will man sich hier bei uns nicht vorstellen. Wir wissen doch, dass die Menschen auf der ganzen Welt es so wollen, wie wir es haben. Warum sonst wollen die alle nach Europa, zu uns, obwohl wir sie eigentlich gar nicht wollen. In Ägypten wollten sie auch wählen und wir wollten auch, dass sie wählen. Nur wollten wir nicht, dass sie die Muslimbrüder wählen. Man muss schon das Richtige wollen, sonst geht es schief, wie in Thüringen. In den USA wollen sie ihren Friedensnobelpreisträger nicht mehr so richtig. Wahlforscher sagen, das liegt auch daran, dass viele gar nicht mobilisiert werden konnten, ihren Willen auszudrücken. Oder sie hatten gar keinen Willen. Das ist aber nicht gut, man muss immer etwas wollen. Oder wenigstens nicht wollen, so wie ganz sicher niemand, auch in Russland nicht, Putin will, weil man Putin gar nicht wollen kann. Die IS will ein Kalifat, die Kurden wollen einen eigenen Staat, die Türken wollen nicht, dass es einen Kurdenstaat gibt, die Menschen von Maaloula wollen wieder in ihr Dorf zurück und dort friedlich und sicher weiterleben, die Amerikaner wollen gemäßigte Rebellen in Syrien unterstützen, Assad will an der Macht bleiben und wir wollen überall auf der Welt Demokratie nach unseren Vorstellungen. Gar nicht so einfach, wenn jeder was will. Das mit dem Krieg haben wir jedenfalls nicht gewollt. Und zugeben, dass man Scheiße gebaut hat, das will man auch nicht. Und die Goldbären wollen auch nicht mehr von Gottschalk gefressen werden.

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